Warum Sparen auf dem Konto Verlust bedeutet
Inflation ist der laufende Kaufkraftverlust des Geldes. Bei drei Prozent im Jahr halbiert sich die Kaufkraft in etwa 23 Jahren, ohne dass sich die Zahl auf dem Konto ändert.
Frag jemanden, was ein Brötchen vor zwanzig Jahren gekostet hat. Der Preis hat sich nicht deshalb verändert, weil das Brötchen besser geworden ist, sondern weil das Geld schlechter geworden ist.
Inflation misst genau das: wie viel weniger du für denselben Betrag bekommst. Zwei Prozent klingen harmlos, wirken aber jedes Jahr erneut auf den bereits verringerten Betrag. Das ist Zinseszins, nur in die falsche Richtung.
Eine praktische Faustregel ist die Zahl 70. Teile 70 durch die Inflationsrate, und du bekommst ungefähr die Zahl der Jahre, bis sich deine Kaufkraft halbiert. Bei 2 Prozent sind das 35 Jahre, bei 3 Prozent 23, bei 7 Prozent nur zehn.
Daraus folgt nicht, dass du alles anlegen sollst. Der Notgroschen bleibt auf dem Konto, und sein Kaufkraftverlust ist der Preis dafür, dass er da ist. Es folgt nur: Geld, das du dreißig Jahre nicht brauchst, verliert auf dem Konto garantiert. Angelegt verliert es vielleicht.
Gemessen wird Inflation über einen Warenkorb, dessen Zusammensetzung die durchschnittlichen Ausgaben abbilden soll. Daraus folgt eine wichtige Einschränkung: Die veröffentlichte Rate ist ein Durchschnitt über alle Haushalte. Wer einen überdurchschnittlichen Anteil seines Einkommens für Wohnen und Energie ausgibt, erlebt in der Regel eine höhere persönliche Inflationsrate als die amtliche Zahl.
Für Anlageentscheidungen zählt die reale Rendite, also die nominale Rendite bereinigt um die Inflation. Exakt gilt r_real = (1 + r_nominal) / (1 + π) − 1. Für kleine Werte genügt die Näherung r_real ≈ r_nominal − π. Ein Tagesgeldkonto mit 2 Prozent Zins bei 3 Prozent Inflation liefert eine reale Rendite von etwa −1 Prozent, trotz positiver Zinsgutschrift.
Die Halbwertszeit der Kaufkraft folgt aus ln(2) / ln(1 + π). Bei 3 Prozent ergibt das 23,4 Jahre. Die Faustregel mit der Zahl 70 ist die Näherung dieser Formel, weil ln(2) ≈ 0,693. Für Zeiträume unter etwa zehn Prozent Rate ist die Abweichung vernachlässigbar.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Inflation wirkt wie Zinseszins, nur gegen dich.
- 70 geteilt durch die Inflationsrate ergibt die Jahre bis zur halben Kaufkraft.
- Nur die reale Rendite nach Inflation sagt etwas aus.
Hast du es verstanden?
Wie lange dauert es bei 3,5 Prozent Inflation, bis sich die Kaufkraft halbiert?
Etwa zwanzig Jahre, denn 70 geteilt durch 3,5 ergibt 20.
Was ist die reale Rendite bei 2 Prozent Zins und 3 Prozent Inflation?
Ungefähr minus ein Prozent. Trotz Zinsgutschrift verlierst du Kaufkraft.
Warum weicht deine persönliche Inflation oft von der amtlichen ab?
Weil die amtliche Rate einen durchschnittlichen Warenkorb misst und deine Ausgabenstruktur davon abweicht.
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