Der Crash von 1929
Nach Jahren steigender Kurse und stark ausgeweiteter Kreditfinanzierung brach der US-Aktienmarkt im Oktober 1929 ein. Bis zum Tiefpunkt 1932 verlor er rund neunzig Prozent.
In den zwanziger Jahren stiegen die Aktienkurse in den USA über Jahre kräftig. Ein wachsender Teil der Käufe war auf Kredit finanziert, teils mit sehr geringem Eigenanteil.
Im Oktober 1929 kippte die Stimmung. Weil so viele Positionen auf Kredit liefen, mussten bei fallenden Kursen Sicherheiten nachgeschossen oder Positionen verkauft werden. Diese Zwangsverkäufe drückten die Kurse weiter.
Der Rückgang endete nicht im Oktober. Bis zum Tiefpunkt im Sommer 1932 verlor der Markt rund neunzig Prozent. Es dauerte danach über zwanzig Jahre, bis der alte Höchststand nominal wieder erreicht war.
Das ist die unbequemste Zahl in diesem ganzen Lehrgang, und sie gehört dazu. Wer behauptet, Aktien seien auf lange Sicht sicher, ignoriert sie. Richtig ist, dass breite Streuung und lange Zeiträume die Wahrscheinlichkeit verbessern, nicht dass sie Garantien schaffen.
Der Verstärkungsmechanismus war die Kreditfinanzierung mit niedrigen Einschussanforderungen. Bei geringem Eigenanteil führt ein kleiner Kursrückgang zur Nachschusspflicht, deren Nichterfüllung Zwangsverkäufe auslöst. Dieselbe Dynamik beschreibt die Lektion zur Liquidation, hier auf Marktebene und mit entsprechend größerer Wirkung.
Die Verlängerung und Vertiefung des Rückgangs bis 1932 wird in der Forschung überwiegend nicht dem Crash selbst zugeschrieben, sondern der nachfolgenden Wirtschaftspolitik, darunter eine restriktive Geldpolitik, Bankenzusammenbrüche ohne wirksame Einlagensicherung und handelsbeschränkende Maßnahmen. Der Kurssturz war Auslöser, nicht alleinige Ursache der Depression.
Für die Einordnung der Erholungsdauer ist die Berechnungsgrundlage wesentlich. Nominal und ohne Dividenden dauerte die Rückkehr zum Höchststand rund fünfundzwanzig Jahre. Unter Berücksichtigung von Dividenden und der zwischenzeitlichen Deflation fällt der Zeitraum deutlich kürzer aus. Beide Angaben sind korrekt, und die Differenz zeigt, wie stark die Wahl des Maßstabs historische Aussagen prägt.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Kreditfinanzierte Käufe erzwangen die Verkäufe, die den Sturz vertieften.
- Der Rückgang bis 1932 betrug rund neunzig Prozent.
- Die Erholungsdauer hängt stark davon ab, ob man Dividenden und Deflation einrechnet.
Hast du es verstanden?
Welche Rolle spielte die Kreditfinanzierung?
Geringe Eigenanteile führten bei Rückgängen zu Nachschusspflichten und Zwangsverkäufen, die den Sturz verstärkten.
War der Crash die alleinige Ursache der Depression?
Nein. Restriktive Geldpolitik, Bankenzusammenbrüche und Handelsbeschränkungen wirkten wesentlich mit.
Warum kursieren verschiedene Angaben zur Erholungsdauer?
Weil sie davon abhängen, ob Dividenden und die zwischenzeitliche Deflation einbezogen werden.
Quellen und Weiterlesen
- Historische Kursreihen des US-Aktienmarkts sowie wirtschaftshistorische Standardliteratur zur Weltwirtschaftskrise.
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- Rückgänge und ErholungRealitäts-Check
- Bullenmarkt, Bärenmarkt, Crash, BlaseStufe 0
- Die Dotcom-Blase 2000Börsengeschichte