Warum Preise sich bewegen
Ein Kurs bewegt sich, wenn sich die Erwartungen der Marktteilnehmer ändern. Nicht Nachrichten bewegen den Preis, sondern Nachrichten, mit denen niemand gerechnet hat.
Zu jedem Kurs gibt es Menschen, die kaufen wollen, und Menschen, die verkaufen wollen. Der Preis wandert dorthin, wo beide Seiten gerade ins Gleichgewicht kommen.
Wichtig ist: Bei jedem Handel steht auf beiden Seiten jemand. Wenn du eine Aktie kaufst, weil du sie für günstig hältst, verkauft dir jemand anderes dieselbe Aktie, weil er das Gegenteil denkt. Einer von euch liegt falsch.
Nachrichten wirken deshalb anders, als die meisten glauben. Ein Unternehmen meldet Rekordgewinn, und der Kurs fällt. Das ist kein Widerspruch: Der Markt hatte einen noch höheren Gewinn erwartet, und die Erwartung steckte längst im Preis.
Merke dir diesen Satz: Der Kurs bewegt sich nicht durch Nachrichten, sondern durch Überraschungen. Wenn du etwas in der Zeitung liest, wissen es alle anderen auch, und der Preis hat sich schon angepasst.
Formal bildet der Preis den Punkt, an dem die aggregierte Nachfragekurve die aggregierte Angebotskurve schneidet, wobei beide Kurven aus den heterogenen Erwartungen der Marktteilnehmer entstehen. Eine Preisänderung setzt eine Verschiebung mindestens einer Kurve voraus, also eine Änderung von Erwartungen, Risikoneigung oder Liquiditätsbedarf.
Die These der Informationseffizienz besagt, dass verfügbare Informationen bereits in den Kursen enthalten sind. In der halbstarken Form umfasst das alle öffentlichen Informationen. Daraus folgt, dass Kurse auf den unerwarteten Teil einer Meldung reagieren, nicht auf ihren Inhalt. Empirisch zeigt sich das an Ereignisstudien: Der Kurssprung erfolgt in Sekunden nach Veröffentlichung und korreliert mit der Abweichung von der Konsensschätzung, nicht mit dem absoluten Wert.
Die Effizienzthese ist nicht unbestritten. Verhaltensökonomische Arbeiten dokumentieren Über- und Unterreaktionen, Momentumeffekte und Preisblasen, die mit vollständiger Effizienz schwer vereinbar sind. Der praktische Schluss bleibt für Privatanleger derselbe: Auch ein nur annähernd effizienter Markt reagiert schneller, als eine Zeitungslektüre erlaubt.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Bei jedem Handel steht auf der Gegenseite jemand mit der entgegengesetzten Meinung.
- Kurse reagieren auf Überraschungen, nicht auf Nachrichten.
- Was du gelesen hast, steckt schon im Preis.
Hast du es verstanden?
Warum kann ein Kurs bei einer guten Nachricht fallen?
Weil der Markt eine noch bessere erwartet hatte. Die Erwartung war bereits eingepreist.
Was besagt die halbstarke Form der Informationseffizienz?
Dass alle öffentlich verfügbaren Informationen bereits in den Kursen enthalten sind.
Was folgt daraus praktisch für dich?
Dass Handeln auf Basis öffentlich bekannter Nachrichten keinen Vorteil bringt.
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