Automatisierter Handel
Automatisierung beseitigt emotionale Fehler und ersetzt sie durch technische. Sie ist nützlich für die Disziplin und löst nicht das Problem, überhaupt eine tragfähige Strategie zu haben.
Ein Programm hält sich an Regeln, auch nachts und auch nach drei Verlusten. Das ist der echte Vorteil gegenüber einem Menschen, und er ist nicht klein.
Was Automatisierung nicht kann: eine schlechte Strategie gut machen. Ein Programm führt einen negativen Erwartungswert nur zuverlässiger aus. Die Frage nach der Strategie steht also weiterhin vor allem anderen.
Dazu kommen neue Fehlerquellen. Verbindungsabbrüche, falsche Ordergrößen durch einen Tippfehler, eine Schnittstelle, die sich ändert, ein Programm, das nach einem Absturz doppelt kauft. Solche Fehler passieren schnell und in großem Umfang.
Und eine Warnung zu gekauften Bots: Wenn jemand ein Programm verkauft, das zuverlässig Geld verdient, stellt sich die Frage, warum er es verkauft statt es zu benutzen. Diese Frage hat noch niemand überzeugend beantwortet.
Der Nutzen der Automatisierung liegt in der Beseitigung der Abweichung zwischen definierter und ausgeführter Strategie. Da die dokumentierte Renditelücke bei Privatanlegern in wesentlichem Umfang aus solchen Abweichungen stammt, ist dieser Effekt quantitativ bedeutsam, unabhängig von der Qualität der Strategie selbst.
Die eingeführten operativen Risiken erfordern eigene Absicherungen: Begrenzung der maximalen Ordergröße und Tagesanzahl auf Systemebene, Abgleich der tatsächlichen Positionen mit dem erwarteten Zustand, definiertes Verhalten bei Verbindungsverlust sowie ein manueller Notausschalter. Fehlen diese, kann ein einzelner Fehler den Ertrag vieler Monate übersteigen.
Ökonomisch ist bei angebotenen Systemen die Anreizstruktur zu prüfen. Ein Anbieter mit einer tatsächlich tragfähigen Strategie hätte einen Anreiz, Kapital zu verwalten statt Software zu verkaufen, da die Erträge einer funktionierenden Strategie mit dem eingesetzten Kapital skalieren, während Softwareverkauf lediglich mit der Zahl der Kunden skaliert. Der Verkauf ist daher ein Hinweis auf die Ertragsquelle.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Automatisierung löst das Disziplinproblem, nicht das Strategieproblem.
- Technische Fehler wirken schnell und in großem Umfang.
- Wer eine funktionierende Strategie hätte, würde sie nicht verkaufen.
Hast du es verstanden?
Worin liegt der echte Nutzen der Automatisierung?
In der Beseitigung der Abweichung zwischen definierter und tatsächlich ausgeführter Strategie.
Welche Absicherungen braucht ein automatisiertes System?
Begrenzung von Ordergröße und Anzahl, Positionsabgleich, definiertes Verhalten bei Verbindungsverlust und einen Notausschalter.
Warum ist der Verkauf eines Handelssystems ein Warnzeichen?
Weil Erträge einer funktionierenden Strategie mit dem Kapital skalieren, Softwareverkauf dagegen mit der Kundenzahl.
Passt dazu
- Gurus und SignalgruppenBetrugsschutz
- Die typischen AnfängerfehlerStufe 0
- Spread, Slippage und LiquiditätStufe 1