Die typischen Anfängerfehler
Fast alle Anfängerverluste stammen aus einer Handvoll immer gleicher Fehler. Wer sie kennt, hat den größten Teil des Lernwegs bereits hinter sich.
Der erste Fehler ist Ungeduld: anfangen, bevor Notgroschen und Schuldenfreiheit stehen. Der zweite ist Konzentration: alles auf eine Firma oder einen Coin setzen, von dem man überzeugt ist.
Der dritte ist Hebel. Fast jeder große Anfängerverlust hat damit zu tun. Der vierte ist Handeln nach Gefühl: kaufen, wenn alle begeistert sind, verkaufen, wenn alle Angst haben. Damit kauft man teuer und verkauft billig.
Der fünfte ist der Renditejäger: bei jeder Enttäuschung die Strategie wechseln. Nach fünf Wechseln hat man alle Kosten bezahlt und keine Strategie lange genug wirken lassen.
Der sechste ist der teuerste: Verluste aufholen wollen. Wer nach einem Minus den Einsatz erhöht, um schneller zurück zu sein, verwandelt einen Rückschlag in einen Totalverlust. Das ist kein Rechenfehler, sondern eine Gefühlsreaktion, und deshalb schützt nur eine im Voraus aufgeschriebene Regel.
Die Fehlerliste lässt sich auf wenige verhaltensökonomische Muster zurückführen. Overconfidence führt zu Konzentration und übermäßigem Handeln. Verlustaversion führt dazu, Verlustpositionen zu halten und Gewinnpositionen zu früh zu schließen, was als Dispositionseffekt beschrieben wird. Rezenz führt zur Übergewichtung jüngster Entwicklungen bei der Einschätzung künftiger.
Der Rachetrade nach Verlusten hat eine formale Entsprechung im Martingale-Ansatz, bei dem der Einsatz nach jedem Verlust erhöht wird. Der Ansatz erzeugt eine hohe Wahrscheinlichkeit kleiner Gewinne bei einer kleinen Wahrscheinlichkeit des Totalverlusts. Da der Erwartungswert bei negativer Randbedingung negativ bleibt und Kapital endlich ist, führt wiederholte Anwendung mit Wahrscheinlichkeit eins zum Ruin.
Der wirksamste Gegenmechanismus ist die Vorabbindung: schriftlich fixierte Regeln zu Positionsgröße, Rebalancing und Ausstiegskriterien, die im Moment der Belastung nicht neu verhandelt werden. Der Wert liegt nicht in der Optimalität der Regel, sondern darin, dass eine mittelmäßige eingehaltene Regel eine gute nicht eingehaltene systematisch schlägt.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Fast alle großen Anfängerverluste entstehen durch Hebel oder Konzentration.
- Handeln nach Gefühl bedeutet strukturell teuer kaufen und billig verkaufen.
- Eine mittelmäßige eingehaltene Regel schlägt eine gute, die man bricht.
Hast du es verstanden?
Was ist der Dispositionseffekt?
Die Neigung, Verlustpositionen zu halten und Gewinnpositionen zu früh zu verkaufen.
Warum führt Einsatzerhöhung nach Verlusten zum Ruin?
Weil der Erwartungswert negativ bleibt und das Kapital endlich ist. Wiederholte Anwendung endet sicher im Totalverlust.
Worin liegt der Wert einer im Voraus aufgeschriebenen Regel?
Darin, dass sie im Moment der emotionalen Belastung nicht neu verhandelt wird.
Passt dazu
- Kapitalerhalt vor GewinnStufe 2
- VerlustaversionStufe 2
- Overtrading und RachetradingStufe 2