Der Hebel
Der Hebel vergrößert Gewinn und Verlust im selben Verhältnis und verkürzt gleichzeitig den Weg bis zur Zwangsschließung. Bei Hebel 20 genügen fünf Prozent Kursverlust für den Totalverlust.
Mit Hebel bewegst du mehr Geld, als du hast. Bei 1.000 Euro Einsatz und Hebel 10 bewegst du 10.000 Euro. Steigt der Kurs um ein Prozent, gewinnst du zehn Prozent deines Einsatzes.
Diesen Teil verstehen alle. Den anderen Teil übersehen viele: Fällt der Kurs um ein Prozent, verlierst du zehn Prozent. Und bei zehn Prozent Kursverlust ist dein gesamter Einsatz weg.
Die Formel dafür ist simpel: Hundert geteilt durch den Hebel ergibt die Kursbewegung, die dich vollständig ausschaltet. Hebel 20 bedeutet fünf Prozent. Hebel 50 bedeutet zwei Prozent.
Zwei Prozent Tagesbewegung sind an vielen Märkten völlig normal. Bei Kryptowerten sind zehn Prozent an einem Tag nichts Besonderes. Deshalb ist ein hoher Hebel dort keine mutige Wette, sondern eine Frage von Stunden.
Der Hebel skaliert die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital mit dem Faktor L, während die zugrunde liegende Kursbewegung unverändert bleibt. Die Liquidationsschwelle liegt näherungsweise bei einer Kursbewegung von 1/L, verringert um Finanzierungskosten und Gebühren, die die tatsächliche Schwelle näher heranrücken.
Hinzu kommt der Effekt auf die geometrische Rendite. Da die Varianz mit L² skaliert, der Erwartungswert aber nur mit L, verschlechtert sich das Verhältnis mit steigendem Hebel. Aus der Näherung g ≈ L·μ − L²·σ²/2 folgt ein wachstumsoptimaler Hebel von etwa μ/σ², oberhalb dessen die erwartete Wachstumsrate trotz höherer erwarteter Rendite fällt und schließlich negativ wird. Hohe Hebel sind daher nicht nur riskanter, sondern auf Dauer auch bei positivem Erwartungswert verlustbringend.
Bei täglich zurückgesetzten Hebelprodukten kommt die Pfadabhängigkeit hinzu. Da der Hebel auf die jeweilige Tagesbasis angewandt wird, weicht die Entwicklung über mehrere Perioden von der L-fachen Entwicklung des Basiswerts ab. In seitwärts schwankenden Märkten führt dieser Effekt systematisch zu Wertverlust, unabhängig von der Richtung des Basiswerts.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Hundert geteilt durch den Hebel ergibt den Kursverlust, der alles auslöscht.
- Die Varianz wächst mit dem Quadrat des Hebels, die Erwartung nur linear.
- Tägliche Hebelprodukte verlieren in Seitwärtsphasen auch ohne Richtungsfehler.
Hast du es verstanden?
Bei welcher Kursbewegung ist bei Hebel 25 der Einsatz weg?
Bei vier Prozent, denn 100 geteilt durch 25 ergibt 4.
Warum sinkt die Wachstumsrate ab einem bestimmten Hebel?
Weil die Varianz mit dem Quadrat des Hebels wächst, der Erwartungswert aber nur linear.
Was passiert mit täglichen Hebelprodukten in Seitwärtsmärkten?
Sie verlieren durch die Pfadabhängigkeit systematisch an Wert.
Passt dazu
- Chancen-Risiko-VerhältnisStufe 2
- Positionsgröße berechnenStufe 2
- Trefferquote und ErwartungswertStufe 2