Das Trading-Tagebuch
Ohne Aufzeichnungen erinnerst du dich an deine Gewinner und vergisst deine Verlierer. Das Tagebuch ist das einzige Mittel, mit dem du deine tatsächliche Leistung siehst.
Frag jemanden nach seiner Trefferquote, und du bekommst eine geschätzte Zahl. Diese Zahl ist fast immer zu hoch, weil Erinnerung selektiv arbeitet.
Ein Tagebuch löst das. Notiere vor jedem Trade: was du kaufst, warum, wo dein Ausstieg liegt und wie viel du riskierst. Nach dem Ausstieg: was tatsächlich passiert ist und ob du deine Regel eingehalten hast.
Der letzte Punkt ist der wichtigste. Ein Trade kann gewinnen, obwohl du deine Regel gebrochen hast. Das ist kein Erfolg, sondern Glück, und Glück wiederholt sich nicht.
Nach fünfzig Einträgen siehst du Muster, die dir vorher verborgen waren. Meistens sind es unangenehme: dass die Verluste an bestimmten Tagen entstehen, oder dass die guten Ergebnisse alle aus Positionen kommen, die du länger gehalten hast.
Der methodische Kern ist die Trennung zwischen Prozessqualität und Ergebnis. In Umgebungen mit hoher Zufallskomponente ist das Einzelergebnis ein schwaches Signal für die Entscheidungsqualität. Eine Bewertung nach Ergebnis führt daher zum Ergebnisfehler, bei dem gute Entscheidungen mit schlechtem Ausgang verworfen und schlechte mit gutem Ausgang beibehalten werden.
Die Aufzeichnung vor der Entscheidung ist unverzichtbar, weil rückwirkende Notizen dem Rückschaufehler unterliegen: Nach bekanntem Ausgang erscheint dieser vorhersehbarer, als er war, und die erinnerte Begründung passt sich an. Nur eine vor dem Ergebnis fixierte These erlaubt eine belastbare Auswertung.
Sinnvolle Auswertungsgrößen sind Trefferquote, durchschnittlicher Gewinn und Verlust, daraus abgeleitet der Erwartungswert, sowie der Anteil regelkonformer Trades. Ergänzend ist eine Aufschlüsselung nach Bedingungen aufschlussreich, etwa nach Tageszeit, Instrument oder Marktphase, wobei die Stichprobengröße je Teilgruppe rasch zu klein wird, um belastbare Schlüsse zu tragen.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Erinnerung überschätzt die eigene Trefferquote systematisch.
- Notiere die These vor dem Ergebnis, sonst passt sie sich an.
- Bewerte den Prozess, nicht das einzelne Ergebnis.
Hast du es verstanden?
Was ist der Ergebnisfehler?
Eine Entscheidung nach ihrem Ausgang statt nach ihrer Qualität zu bewerten.
Warum muss die These vor dem Ergebnis notiert werden?
Wegen des Rückschaufehlers. Nach bekanntem Ausgang passt sich die erinnerte Begründung an.
Welche Kennzahl ist wichtiger als die Trefferquote?
Der Erwartungswert, ergänzt um den Anteil regelkonformer Trades.
Passt dazu
- Trefferquote und ErwartungswertStufe 2
- Chancen-Risiko-VerhältnisStufe 2
- LiquidationStufe 2