Der Markt fällt gerade
Eine kurze Orientierung für den Moment, in dem alles rot ist. Kein Verkauf, keine Prognose, nur die Punkte, die jetzt tatsächlich zählen.
Erstens: Was du gerade siehst, ist noch kein Verlust. Er wird erst dann einer, wenn du verkaufst. Bis dahin ist es eine Zahl, die sich wieder ändert.
Zweitens: Rückgänge dieser Art sind normal. Etwa jährlich fallen breite Märkte um zehn Prozent, alle paar Jahre um zwanzig oder mehr. Dass es sich diesmal anders anfühlt, gehört dazu. Es fühlt sich jedes Mal anders an.
Drittens: Prüf nur eine einzige Sache. Brauchst du das angelegte Geld in den nächsten drei Jahren? Wenn nein, ändert der heutige Kurs an deinem Plan nichts. Wenn ja, war die Aufteilung zu riskant, und das ist eine Frage für später, nicht für heute.
Viertens: Tu heute nichts. Keine Verkäufe, keine Nachkäufe auf Kredit, keine neue Strategie. Wenn du einen schriftlichen Plan hast, lies deinen Satz für den Krisenfall. Wenn nicht, schreib ihn, wenn es vorbei ist.
Empirisch ist die Konzentration der Renditen auf wenige Handelstage gut dokumentiert, wobei diese Tage überproportional in Phasen hoher Unsicherheit fallen, also unmittelbar in oder nach starken Rückgängen. Ein Ausstieg in dieser Phase führt daher mit erhöhter Wahrscheinlichkeit dazu, die stärksten Erholungstage zu verpassen.
Die Asymmetrie zwischen Verlust und Ausgleich verstärkt die Wirkung: Ein realisierter Verlust erfordert einen überproportional größeren Gewinn zum Ausgleich, während ein nicht realisierter Rückgang lediglich eine Bewertungsänderung darstellt. Der Verkauf im Rückgang wandelt eine reversible Bewertungsänderung in einen endgültigen Zustand um.
Sachgerecht ist in dieser Situation ausschließlich die Prüfung der Liquiditätslage: ob laufende Ausgaben und absehbarer Bedarf ohne Zugriff auf die Anlagen gedeckt sind. Ist das der Fall, folgt aus dem Kursstand keine Handlungsnotwendigkeit. Ist es nicht der Fall, ist die vorrangige Maßnahme die Sicherung der Liquidität, nicht eine Neubewertung der Marktlage.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Ein Rückgang wird erst durch den Verkauf zum Verlust.
- Die stärksten Erholungstage liegen meist direkt nach den schlimmsten.
- Die einzige Frage heute: Brauchst du das Geld in den nächsten drei Jahren?
Hast du es verstanden?
Wann wird aus einem Rückgang ein Verlust?
Beim Verkauf. Vorher ist es eine Bewertungsänderung.
Warum ist ein Ausstieg im Rückgang besonders teuer?
Weil die stärksten Erholungstage überproportional in Phasen hoher Unsicherheit fallen.
Was ist die sachgerechte Prüfung in diesem Moment?
Ob deine Liquidität für die nächsten Jahre ohne Zugriff auf die Anlagen gesichert ist.
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