Wie viele Day-Trader tatsächlich Geld verdienen
Die größte je durchgeführte Untersuchung zu Day-Tradern wertete fünfzehn Jahre kompletter Börsendaten aus Taiwan aus. Ergebnis: weniger als ein Prozent der Day-Trader war über mehrere Jahre verlässlich profitabel.
Diese Zahlen sind deshalb ungewöhnlich verlässlich, weil sie nicht auf Umfragen oder freiwilligen Meldungen beruhen, sondern auf den vollständigen, anonymisierten Handelsdaten einer gesamten Börse. Eine Forschergruppe um Brad Barber und Terrance Odean werten seit den frühen 2000er-Jahren die kompletten Transaktionsdaten der taiwanesischen Börse aus, teils über fünfzehn Jahre und Milliarden einzelner Geschäfte.
Das zentrale Ergebnis: Über den Zeitraum 1992 bis 2006 verloren Day-Trader an einem durchschnittlichen Tag nach Abzug von Gebühren und Transaktionssteuer rund 24 Basispunkte, also etwas knapp ein Viertel Prozent ihres eingesetzten Kapitals. Das mag nach wenig klingen, addiert sich aber bei täglichem Handel schnell zu erheblichen Verlusten.
Von der Gruppe der Trader, die überhaupt profitabel waren, blieb nur ein kleiner Teil das über mehrere Jahre hinweg konstant. Die Forscher fanden, dass weniger als ein Prozent aller Day-Trader über Jahre hinweg verlässlich, also nicht nur zufällig, profitabel war. Etwa fünf Prozent waren in einem gegebenen Jahr profitabel, aber die meisten davon nicht dauerhaft.
Ähnliche Untersuchungen an anderen Börsen kommen auf vergleichbare Ergebnisse. Eine Untersuchung brasilianischer Terminmarkt-Trader fand, dass von denjenigen, die es über dreihundert Handelstage durchhielten, siebenundneunzig Prozent am Ende einen Verlust hatten.
Barber, Lee, Liu und Odean (2014) sowie Barber, Lee, Liu, Odean und Zhang (2020) werteten sämtliche Transaktionen der Taiwan Stock Exchange von 1992 bis 2006 aus, ein Datensatz mit mehreren Milliarden Einzelgeschäften. An einem durchschnittlichen Tag verloren Day-Trader vor Kosten etwa 7 Basispunkte und nach Kosten etwa 24 Basispunkte, wobei sich die aggregierte Wertentwicklung in vierzehn der fünfzehn untersuchten Jahre als verlässlich negativ erwies.
Besonders aufschlussreich ist die Verteilung des Erfolgs innerhalb der Gruppe. Nur etwa fünf Prozent aller aktiven Trader waren im Monatsdurchschnitt profitabel, und weniger als drei Prozent der Trader erwirtschafteten dauerhaft genug Gewinn, um als vorhersagbar profitabel zu gelten, wobei dieser kleine Kreis für nur rund zehn Prozent des gesamten Handelsvolumens verantwortlich war. Die unprofitable Mehrheit erzeugte also den überwiegenden Teil des Umsatzes.
Die Studie verfolgte zusätzlich die Überlebensrate neuer Day-Trader über die Zeit: Nach einem Jahr waren noch 44 Prozent aktiv, nach zwei Jahren 24 Prozent, nach drei Jahren 15 Prozent. Diese hohe Abbruchrate ist konsistent mit der Beobachtung aus der Lektion zu Verlustaversion, dass Trader nach Verlusten häufig eher den Einsatz erhöhen als aufhören, was die Selektion der Verbleibenden verzerrt: Wer übrig bleibt, hat nicht zwangsläufig eine bessere Strategie, sondern häufiger einfach noch Kapital.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Über 15 Jahre komplette Börsendaten waren weniger als ein Prozent der Day-Trader verlässlich profitabel.
- Die unprofitable Mehrheit erzeugte den größten Teil des gesamten Handelsvolumens.
- Drei Jahre nach dem Einstieg waren nur noch 15 Prozent der neuen Day-Trader überhaupt noch aktiv.
Hast du es verstanden?
Worauf beruhen die Zahlen zu Day-Tradern in Taiwan, und warum sind sie besonders verlässlich?
Auf den vollständigen Transaktionsdaten der gesamten Börse über 15 Jahre, nicht auf Umfragen. Das schließt Selektions- und Erinnerungsverzerrungen aus, die bei selbst berichteten Daten auftreten.
Wie hoch war der durchschnittliche tägliche Verlust von Day-Tradern nach Kosten?
Etwa 24 Basispunkte, also knapp ein Viertel Prozent des eingesetzten Kapitals pro Tag.
Wie viele der neu gestarteten Day-Trader waren nach drei Jahren noch aktiv?
Etwa 15 Prozent.
Quellen und Weiterlesen
- Barber, B. M., Lee, Y.-T., Liu, Y.-J. und Odean, T. (2014), Do Day Traders Rationally Learn About Their Ability?
- Barber, B. M., Lee, Y.-T., Liu, Y.-J., Odean, T. und Zhang, K. (2020), Learning Fast or Slow?, Review of Asset Pricing Studies
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