Zum Inhalt springen
Klarkurs

Wirecard

Ein im DAX notierter Zahlungsdienstleister brach 2020 zusammen, nachdem Guthaben von rund 1,9 Milliarden Euro auf Treuhandkonten nicht auffindbar waren. Die Aktie verlor praktisch ihren gesamten Wert.

1 Min. Lesezeit Zuletzt geprüft: 2026-09-03

Wirecard galt jahrelang als deutsches Vorzeigeunternehmen und stieg 2018 in den DAX auf. Im Juni 2020 teilte das Unternehmen mit, dass Bankguthaben von rund 1,9 Milliarden Euro mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht existierten. Kurz darauf folgte der Insolvenzantrag.

Bemerkenswert ist der Vorlauf. Journalisten der Financial Times hatten über Jahre Zweifel an den Zahlen veröffentlicht. Die Reaktion bestand über weite Strecken darin, die Kritiker anzugreifen, statt die Vorwürfe zu prüfen. Zwischenzeitlich wurden Leerverkäufe der Aktie sogar zeitweise eingeschränkt.

Für Anleger war der Verlust total. Wer zum Höchstkurs gekauft hatte, verlor praktisch alles. Anders als bei einem Kursrückgang gab es keine Erholung, weil kein Unternehmenswert mehr übrig war.

Was daraus folgt, ist unangenehm: Weder die Aufnahme in einen bekannten Index noch die Prüfung durch eine große Wirtschaftsprüfungsgesellschaft noch jahrelange Kursgewinne sind ein Beleg dafür, dass die Zahlen stimmen.

Drei Sätze zum Mitnehmen

  • Index-Zugehörigkeit und Prüftestat sind keine Garantie für richtige Zahlen.
  • Ergebniswachstum ohne entsprechenden Zahlungsfluss ist ein Warnzeichen.
  • Gegen den Ausfall eines Einzelwerts schützt nur Streuung.

Hast du es verstanden?

Welches Warnzeichen war in den Zahlen angelegt?

Starkes Ergebniswachstum bei schwacher operativer Liquidität, mit Guthaben auf Treuhandkonten Dritter.

Warum half die Aufnahme in den DAX den Anlegern nicht?

Indexzugehörigkeit sagt nichts über die Richtigkeit der Zahlen aus, sie folgt aus Größe und Handelbarkeit.

Welcher Schutz bleibt gegen einen solchen Fall?

Streuung. Einzelwertrisiko wird nicht vergütet und lässt sich vollständig wegdiversifizieren.

Quellen und Weiterlesen

  • Öffentliche Unternehmensmitteilungen aus dem Juni 2020, Berichterstattung der Financial Times sowie die Berichte des Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages.

Passt dazu