Enron
Ein US-Energiekonzern brach 2001 zusammen, nachdem Verbindlichkeiten über ausgelagerte Gesellschaften aus der Bilanz herausgehalten worden waren. Der Fall führte zu weitreichenden Reformen der Rechnungslegung.
Enron galt als eines der innovativsten Unternehmen der USA und wuchs über Jahre scheinbar hervorragend. 2001 stellte sich heraus, dass erhebliche Schulden nicht in der Konzernbilanz standen, sondern in eigens geschaffenen Gesellschaften.
Zusätzlich wurden Erträge früh verbucht, teils bevor sie tatsächlich anfielen. Die Bilanz zeigte damit ein Unternehmen, das es so nicht gab.
Als das öffentlich wurde, war der Zusammenbruch schnell. Tausende Beschäftigte verloren Arbeitsplatz und Altersvorsorge, weil ein großer Teil davon in Aktien des eigenen Arbeitgebers angelegt war.
Genau darin liegt die wichtigste Lehre für Privatanleger: Wenn dein Einkommen und deine Geldanlage von derselben Firma abhängen, trägst du dasselbe Risiko doppelt. Aktien des eigenen Arbeitgebers sind daher die am schlechtesten gestreute Anlage, die es gibt.
Der zentrale Mechanismus war die Nutzung von Zweckgesellschaften zur Auslagerung von Verbindlichkeiten. Da diese Gesellschaften nach den damals geltenden Regeln nicht konsolidiert werden mussten, erschien der Konzern deutlich weniger verschuldet, als er wirtschaftlich war. Ergänzend wurde eine Bewertungsmethode angewandt, die künftige erwartete Erträge langfristiger Verträge sofort erfolgswirksam erfasste.
Der Fall führte in den USA zu einer umfassenden Reform der Berichts- und Kontrollpflichten, darunter persönliche Bestätigungspflichten der Unternehmensleitung für die Richtigkeit der Abschlüsse und strengere Anforderungen an die Unabhängigkeit der Abschlussprüfer. Auch die beteiligte Prüfungsgesellschaft überstand den Fall nicht.
Für die Analyse illustriert Enron die Bedeutung der Anhangangaben zu nicht konsolidierten Beteiligungen und außerbilanziellen Verpflichtungen. Ein Unternehmen, dessen wirtschaftliche Verflechtungen sich aus dem Abschluss nicht nachvollziehen lassen, entzieht sich der Bewertung, unabhängig davon, wie überzeugend die berichteten Kennzahlen wirken.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Schulden außerhalb der Bilanz machen ein Unternehmen unbewertbar.
- Erträge, die vor ihrem Anfall verbucht werden, sind ein Warnzeichen.
- Aktien des eigenen Arbeitgebers bündeln Einkommens- und Anlagerisiko.
Hast du es verstanden?
Wie wurden die Schulden verborgen?
Über Zweckgesellschaften, die nach damaliger Regelung nicht konsolidiert werden mussten.
Warum traf es die Beschäftigten doppelt?
Weil Arbeitsplatz und Altersvorsorge von demselben Unternehmen abhingen.
Worauf sollte man im Abschluss achten?
Auf Anhangangaben zu nicht konsolidierten Beteiligungen und außerbilanziellen Verpflichtungen.
Quellen und Weiterlesen
- Untersuchungsberichte des US-Kongresses aus den Jahren 2002 und 2003.