FTX
Eine der größten Kryptobörsen der Welt brach im November 2022 innerhalb weniger Tage zusammen. Kundengelder waren nicht getrennt verwahrt worden. Auszahlungen wurden eingefroren.
FTX war eine der bekanntesten Kryptobörsen mit prominenter Werbung und großen Investoren im Rücken. Innerhalb weniger Tage im November 2022 kippte das Vertrauen, Kunden wollten gleichzeitig abheben, und die Börse konnte nicht auszahlen.
Der Grund war nicht ein Kursrückgang, sondern die Verwendung von Kundenbeständen. Diese waren nicht getrennt verwahrt worden, sondern standen in Verbindung mit einem verbundenen Handelsunternehmen. Als das aufflog, war das Geld nicht mehr da.
Für die Kunden bedeutete das genau die Konstellation aus der Lektion über Selbstverwahrung: Sie hatten keine Coins, sondern eine Forderung gegen ein Unternehmen. Im Insolvenzverfahren wurden sie zu Gläubigern unter vielen.
Die Lehre ist unbequem und einfach zugleich. Es half nicht, dass die Plattform groß war, dass bekannte Investoren beteiligt waren oder dass sie überall beworben wurde. Was zählte, war die Frage, wer die Schlüssel hält.
Der Vorgang folgt der Struktur eines klassischen Ansturms auf ein Institut. Sobald Zweifel an der Deckung entstehen, ist die individuell rationale Reaktion die sofortige Abhebung, wodurch die Deckungslücke sichtbar wird. Anders als bei regulierten Banken existierte weder eine Einlagensicherung noch ein Kreditgeber letzter Instanz.
Der zentrale Konstruktionsfehler war die fehlende insolvenzfeste Trennung von Kundenvermögen. Bei regulierten Wertpapierdienstleistern ist diese Trennung vorgeschrieben und begründet ein Aussonderungsrecht. Ohne sie besteht lediglich ein schuldrechtlicher Anspruch, der im Insolvenzverfahren zur einfachen Forderung wird.
Der Fall beschleunigte die regulatorische Entwicklung, in Europa insbesondere den Rechtsrahmen für Märkte in Kryptowerten mit Zulassungs- und Verwahrpflichten. Für Anleger bleibt die praktische Konsequenz die Aufteilung: nur Beträge auf Plattformen halten, deren Verlust tragbar wäre, und größere Bestände selbst verwahren.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Kundengelder ohne insolvenzfeste Trennung sind eine Forderung, kein Besitz.
- Größe, Werbung und prominente Investoren sind kein Sicherheitsmerkmal.
- Nur so viel auf einer Plattform halten, wie du verlieren könntest.
Hast du es verstanden?
Warum brach FTX zusammen?
Kundenbestände waren nicht getrennt verwahrt. Bei gleichzeitigen Abhebungen wurde die Deckungslücke sichtbar.
Welche Rechtsstellung hatten die Kunden?
Sie hielten einen schuldrechtlichen Anspruch und wurden im Insolvenzverfahren zu einfachen Gläubigern.
Welche Konsequenz folgt praktisch daraus?
Nur tragbare Beträge auf Plattformen halten und größere Bestände selbst verwahren.
Quellen und Weiterlesen
- Insolvenzunterlagen des Verfahrens vor dem zuständigen US-Gericht ab November 2022 sowie zeitgenössische Berichterstattung.
Passt dazu
- Not your keys, not your coinsStufe 1
- Lehman BrothersFallstudien
- Krypto-Börse und BrokerStufe 1