Warum aktive Fonds meist schlechter abschneiden
Aktive Fonds versuchen, den Markt zu schlagen, und verlangen dafür deutlich höhere Gebühren. Über lange Zeiträume schafft es nur eine Minderheit, und welche das sein wird, lässt sich vorher nicht erkennen.
Ein aktiver Fonds hat einen Manager, der Aktien auswählt. Dafür verlangt er meist zwischen einem und zwei Prozent im Jahr, manchmal zusätzlich einen Ausgabeaufschlag von bis zu fünf Prozent beim Kauf.
Das Problem ist einfache Arithmetik. Alle Anleger zusammen sind der Markt. Vor Kosten erzielen sie also die Marktrendite. Nach Kosten liegen sie zwangsläufig darunter, und wer mehr Kosten hat, liegt weiter darunter.
Über lange Zeiträume schlägt deshalb nur eine Minderheit der aktiven Fonds ihren Vergleichsindex. Über zehn und mehr Jahre wird diese Minderheit sehr klein. Und die Fonds, die es schaffen, sind selten dieselben wie im Jahrzehnt davor.
Damit bleibt für dich das eigentliche Problem: Du müsstest heute wissen, welcher Fonds in zwanzig Jahren zu den wenigen gehört. Die Vergangenheit hilft dabei kaum weiter. Deshalb ist die Empfehlung für Anfänger fast immer der Index.
Das Grundargument stammt von William Sharpe und ist rein arithmetisch: Da die Summe aller aktiv verwalteten Portfolios vor Kosten den Markt ergibt, muss der durchschnittliche aktiv verwaltete Euro nach Kosten schlechter abschneiden als der durchschnittliche passiv verwaltete Euro. Das gilt unabhängig von Marktphase, Effizienzannahmen oder Fähigkeit der Manager. Es ist keine empirische Behauptung, sondern eine Identität.
Empirisch bestätigen laufende Auswertungen wie die SPIVA-Berichte dieses Bild: Über Zeiträume von zehn bis zwanzig Jahren unterschreitet in den meisten Märkten eine deutliche Mehrheit der aktiven Fonds ihren Vergleichsindex. Zusätzlich verzerrt der Survivorship Bias die Statistik zugunsten der aktiven Seite, weil geschlossene oder verschmolzene Fonds aus den Auswertungen verschwinden. Bereinigt fällt das Bild noch ungünstiger aus.
Zur Persistenzfrage: Untersuchungen zur Beständigkeit von Überrenditen finden nur schwache Hinweise darauf, dass frühere Outperformance künftige vorhersagt. Ein Teil der beobachteten Überrenditen lässt sich zudem durch bekannte Faktorprämien wie Größe, Bewertung oder Momentum erklären, die sich günstiger über regelbasierte Fonds abbilden lassen. Das entwertet nicht jede aktive Strategie, verschiebt aber die Beweislast deutlich.
| Index-ETF | Aktiver Fonds | |
|---|---|---|
| Auswahl der Titel | bildet den Index ab | ein Manager wählt aus |
| Laufende Kosten | oft 0,05 bis 0,3 % | häufig 1 bis 2 % |
| Ausgabeaufschlag | keiner | bis zu 5 % möglich |
| Handel | börslich, jederzeit | meist einmal täglich |
| Transparenz | Bestand täglich einsehbar | meist quartalsweise |
| Ziel | Marktrendite erreichen | Markt schlagen |
| Über 10 Jahre | liegt beim Index | 98 % blieben zuletzt darunter |
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Vor Kosten sind alle Anleger zusammen der Markt, nach Kosten liegen sie darunter.
- Über zehn Jahre und mehr schlägt nur eine Minderheit der aktiven Fonds ihren Index.
- Frühere Überrendite sagt künftige kaum vorher.
Hast du es verstanden?
Warum ist das Argument gegen aktive Fonds arithmetisch und nicht empirisch?
Weil alle aktiven Portfolios zusammen den Markt ergeben. Nach Kosten müssen sie im Durchschnitt zwangsläufig zurückliegen.
Was ist der Survivorship Bias in dieser Statistik?
Geschlossene oder verschmolzene Fonds verschwinden aus den Auswertungen, wodurch die aktive Seite besser aussieht, als sie war.
Hilft die Vergangenheit bei der Auswahl eines guten Fonds?
Kaum. Die Beständigkeit früherer Überrenditen ist empirisch schwach.
Quellen und Weiterlesen
- Die SPIVA-Berichte von S&P Dow Jones Indices veröffentlichen laufend Vergleiche aktiver Fonds mit ihren Vergleichsindizes.
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