Was ein ETF ist
Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der einen ganzen Markt abbildet, statt einzelne Titel auszuwählen. Mit einem einzigen Kauf hältst du Anteile an hunderten oder tausenden Firmen.
Statt zu raten, welche Firma gewinnt, kaufst du beim ETF einfach alle. Ein ETF auf einen breiten Weltindex enthält Anteile an über tausend Unternehmen in dutzenden Ländern.
Der Vorteil ist Streuung. Geht eine einzelne Firma pleite, merkst du das kaum. In deinem Korb sind neunhundertneunundneunzig andere. Das Risiko, alles zu verlieren, verschwindet damit praktisch.
Der zweite Vorteil sind die Kosten. Ein ETF muss niemanden bezahlen, der Aktien auswählt. Er kauft einfach, was im Index steht. Deshalb liegen die laufenden Kosten oft bei 0,1 bis 0,3 Prozent statt bei 1,5 Prozent.
Was ein ETF nicht ist: sicher. Fällt der Gesamtmarkt um vierzig Prozent, fällt dein ETF ungefähr mit. Er nimmt dir das Risiko einer einzelnen Firma ab, nicht das Risiko des Marktes. Wer das verwechselt, erlebt den ersten Rückgang als Betrug.
Ein ETF ist ein Sondervermögen, das getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft geführt wird. Bei einer Insolvenz des Anbieters fällt es damit nicht in die Insolvenzmasse. Die Abbildung des Index erfolgt entweder physisch, durch Kauf der enthaltenen Titel oder einer optimierten Auswahl daraus, oder synthetisch über einen Tauschvertrag mit einer Gegenpartei. Die synthetische Variante bildet den Index oft exakter ab, führt aber ein besichertes Kontrahentenrisiko ein.
Für die Beurteilung sind drei Kennzahlen relevant. Die laufenden Kosten geben die jährliche Belastung an. Die Tracking-Differenz misst die tatsächliche Abweichung der Fondsentwicklung vom Index über einen Zeitraum und ist aussagekräftiger als die Kostenquote allein, da sie Erträge aus Wertpapierleihe und steuerliche Effekte einschließt. Das Fondsvolumen ist für die Fortführungswahrscheinlichkeit relevant, da kleine Fonds häufiger geschlossen oder verschmolzen werden.
Zu unterscheiden sind ferner ausschüttende und thesaurierende Varianten. Thesaurierende Fonds legen Erträge automatisch wieder an, was den Zinseszins ohne Zutun wirken lässt, die steuerliche Behandlung aber je nach Land unterschiedlich regelt. Die Gewichtung im Index erfolgt meist nach Marktkapitalisierung, was bedeutet, dass große Unternehmen automatisch stärker gewichtet sind. Das ist kein Fehler, sondern eine bewusste Konstruktion, führt aber zu Konzentration, wenn wenige Titel den Markt dominieren.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Ein ETF streut über viele Firmen und nimmt dir das Einzelwertrisiko ab.
- Er nimmt dir nicht das Marktrisiko ab, Rückgänge machst du voll mit.
- Die Tracking-Differenz sagt mehr aus als die reine Kostenquote.
Hast du es verstanden?
Welches Risiko nimmt dir ein breiter ETF ab und welches nicht?
Das Risiko einzelner Unternehmen nimmt er dir ab, das Risiko des Gesamtmarkts nicht.
Was passiert mit deinem ETF, wenn der Anbieter pleitegeht?
Nichts. Ein ETF ist Sondervermögen und fällt nicht in die Insolvenzmasse.
Warum ist die Tracking-Differenz aussagekräftiger als die Kostenquote?
Weil sie die tatsächliche Abweichung vom Index misst und dabei auch Erträge aus Wertpapierleihe und steuerliche Effekte erfasst.