Kapitalerhalt vor Gewinn
Wer sein Kapital verliert, hat nichts mehr, womit er den Verlust aufholen könnte. Deshalb ist die Vermeidung des Ruins kein Teil der Renditemaximierung, sondern ihre Voraussetzung.
Die meisten Anfänger fragen: Wie viel kann ich verdienen? Die Frage der Überlebenden lautet: Wie stelle ich sicher, dass ich nächstes Jahr noch dabei bin?
Der Grund ist einfach. Eine Rendite von zwanzig Prozent nützt dir nichts, wenn du vorher alles verloren hast. Null mal irgendetwas bleibt null. Es gibt kein Zurück aus dem Totalverlust.
Deshalb ist die erste Regel jeder ernsthaften Strategie nicht das Gewinnen, sondern das Nichtausscheiden. Alles in dieser Stufe dient diesem einen Zweck.
Praktisch heißt das: kein einzelner Fehler darf dich aus dem Spiel nehmen. Keine Position so groß, dass ihr Ausfall alles kostet. Kein Hebel, der bei einer normalen Tagesbewegung das Konto leert. Keine Wette, die du dir nicht leisten kannst zu verlieren.
Der Grund liegt in der Multiplikativität von Renditen. Vermögen entwickelt sich als Produkt der Periodenrenditen, nicht als Summe. Ein Faktor von null macht das gesamte Produkt null, unabhängig von allen übrigen Faktoren. Ein Zustand, aus dem heraus keine Erholung möglich ist, wird als absorbierender Zustand bezeichnet.
Daraus folgt die Unterscheidung zwischen Erwartungswert und Zeitmittel. Eine Strategie kann einen positiven Erwartungswert über viele parallele Durchläufe haben und dennoch für den einzelnen Akteur über die Zeit sicher zum Ruin führen, wenn sie mit ausreichender Wahrscheinlichkeit den absorbierenden Zustand erreicht. Der Einzelne durchlebt eine Zeitreihe, nicht ein Ensemble.
Die praktische Konsequenz ist die Priorisierung der Ruinwahrscheinlichkeit vor der erwarteten Rendite. Eine Strategie mit geringerer Erwartung, die den Ruin ausschließt, dominiert langfristig eine Strategie mit höherer Erwartung und positiver Ruinwahrscheinlichkeit. Das ist derselbe Gedanke, der in Stufe minus eins die Absicherung existenzieller Risiken begründet hat.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Vermögen entwickelt sich multiplikativ, ein Faktor null macht alles null.
- Ein positiver Erwartungswert schützt nicht vor sicherem Ruin über die Zeit.
- Kein einzelner Fehler darf dich aus dem Spiel nehmen.
Hast du es verstanden?
Warum ist ein Totalverlust nicht mit hoher Rendite aufholbar?
Weil Renditen multiplikativ wirken. Ein Faktor null macht das gesamte Produkt null.
Was ist ein absorbierender Zustand?
Ein Zustand, aus dem heraus keine Rückkehr möglich ist, hier der Totalverlust.
Kann eine Strategie mit positivem Erwartungswert sicher ruinieren?
Ja, wenn sie über die Zeit mit ausreichender Wahrscheinlichkeit den absorbierenden Zustand erreicht.
Passt dazu
- Trefferquote und ErwartungswertStufe 2
- Die typischen AnfängerfehlerStufe 0
- Chancen-Risiko-VerhältnisStufe 2