GameStop
Anfang 2021 stieg die Aktie einer Videospielhandelskette in kurzer Zeit um ein Vielfaches. Ursache war eine Kombination aus hohem Leerverkaufsanteil, koordinierter Nachfrage und erzwungenen Deckungskäufen.
GameStop war eine Ladenkette für Videospiele mit schrumpfendem Geschäft. Ein ungewöhnlich großer Anteil der Aktien war leerverkauft, also von Leuten geliehen und verkauft, die auf fallende Kurse setzten.
Anfang 2021 begannen viele Privatanleger, sich über Foren abzustimmen und die Aktie zu kaufen. Der Kurs stieg, wodurch die Leerverkäufer Verluste erlitten und zurückkaufen mussten. Diese Deckungskäufe trieben den Kurs weiter.
Das ist ein Short Squeeze, genau wie in der Lektion über Leerverkäufe beschrieben. Der Kurs stieg um ein Vielfaches, ohne dass sich am Geschäft der Firma etwas geändert hatte.
Die Geschichte wird oft als Sieg der Kleinanleger erzählt. Das stimmt für die frühen Käufer. Wer spät einstieg, weil er in den Nachrichten davon las, kaufte nahe am Höchststand und erlitt anschließend erhebliche Verluste. Beide Gruppen kommen in der Erzählung selten gleichzeitig vor.
Die Anfälligkeit ergab sich aus dem Verhältnis leerverkaufter Aktien zum frei handelbaren Bestand, das ungewöhnlich hoch lag. Steigende Kurse erzwingen bei Leerverkäufern zusätzliche Sicherheiten oder Deckungskäufe. Da der Verlust nach oben unbegrenzt ist, entsteht ein Zwang zur Schließung, der die Bewegung verstärkt.
Verstärkend wirkte die Absicherung von Optionsverkäufern. Ein starker Anstieg der Nachfrage nach Kaufoptionen zwingt deren Verkäufer, den Basiswert zur Absicherung zu erwerben, was zusätzliche Käufe auslöst. Diese Rückkopplung über den Optionsmarkt gilt als wesentlicher Verstärker der Bewegung.
Der Fall illustriert zugleich die Grenzen der Erzählung von der Marktdemokratisierung. Die Kursbewegung war eine Umverteilung zwischen Marktteilnehmern und hatte keinen Bezug zur Ertragskraft des Unternehmens. Der Ausgang war für die spät Einsteigenden und für einen Teil der Leerverkäufer gleichermaßen ungünstig, was den Charakter als Nullsummenspiel bestätigt.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Ein Short Squeeze entsteht durch erzwungene Deckungskäufe, nicht durch Fundamentaldaten.
- Absicherungskäufe von Optionsverkäufern verstärken die Bewegung zusätzlich.
- Die Geschichte erzählt die Gewinner, nicht die spät Eingestiegenen.
Hast du es verstanden?
Was macht eine Aktie anfällig für einen Short Squeeze?
Ein hoher Anteil leerverkaufter Aktien am frei handelbaren Bestand.
Wie verstärkt der Optionsmarkt die Bewegung?
Verkäufer von Kaufoptionen müssen zur Absicherung den Basiswert kaufen, was zusätzliche Nachfrage erzeugt.
Warum ist die Erzählung vom Sieg der Kleinanleger unvollständig?
Weil die spät Eingestiegenen nahe am Höchststand kauften und erhebliche Verluste erlitten.
Quellen und Weiterlesen
- Bericht der US-Wertpapieraufsicht zu den Marktereignissen im Januar 2021 sowie öffentliche Kurs- und Positionsdaten.
Passt dazu
- Lehman BrothersFallstudien
- EnronFallstudien
- FOMOStufe 2