Terra und Luna
Ein algorithmischer Stablecoin verlor im Mai 2022 innerhalb weniger Tage seine Bindung an den Dollar. Beide beteiligten Token fielen praktisch auf null, ein Wert von zweistelligen Milliardenbeträgen verschwand.
Ein Stablecoin soll immer einen Dollar wert sein. Die meisten erreichen das, indem sie tatsächlich Dollar hinterlegen. Terra machte es anders: Die Bindung sollte über einen Mechanismus mit einem zweiten Token namens Luna funktionieren.
Vereinfacht: Fiel Terra unter einen Dollar, konnte man ihn gegen neu erzeugte Luna eintauschen. Das sollte den Preis stabilisieren. Zusätzlich lockte ein Programm mit einer Verzinsung um zwanzig Prozent, was einen großen Teil der Nachfrage erzeugte.
Im Mai 2022 geriet die Bindung ins Rutschen. Der Mechanismus erzeugte immer mehr Luna, was dessen Preis drückte, was wiederum das Vertrauen in Terra weiter zerstörte. Innerhalb von Tagen war beides praktisch wertlos.
Genau davor warnt die Lektion über Renditeversprechen. Niemand konnte plausibel erklären, wer die zwanzig Prozent erwirtschaftet. Wo eine solche Erklärung fehlt, stammt der Ertrag von den nächsten Einzahlern, und das endet immer gleich.
Der Mechanismus beruhte auf einer Rückkopplung zwischen zwei Token ohne externe Sicherheiten. Solche Konstruktionen sind stabil, solange die Nachfrage wächst, und instabil, sobald sie fällt: Die Stützung erfolgt durch Ausgabe des zweiten Tokens, dessen Preis dadurch sinkt, wodurch immer mehr davon ausgegeben werden muss. Diese sich selbst verstärkende Dynamik wird als Todesspirale beschrieben.
Die Verzinsung von rund zwanzig Prozent stammte nicht aus operativen Erträgen, sondern überwiegend aus einer Reserve, die dafür bereitgestellt wurde. Damit war das Programm eine Subvention der Nachfrage, deren Ende absehbar war. Nachfrage, die ausschließlich durch eine subventionierte Rendite entsteht, verschwindet mit der Subvention.
Systematisch zu unterscheiden sind besicherte Stablecoins mit hinterlegten kurzfristigen Anlagen, überbesicherte Konstruktionen mit Kryptosicherheiten und algorithmische Modelle ohne externe Deckung. Nur die ersten beiden verfügen über einen Rückhalt außerhalb des eigenen Systems. Die dritte Kategorie hat sich in mehreren Versuchen als nicht tragfähig erwiesen.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Ohne externe Deckung ist die Stabilität nur eine Funktion wachsender Nachfrage.
- Zwanzig Prozent Verzinsung ohne benennbare Quelle sind eine Subvention.
- Algorithmische Stablecoins ohne Sicherheiten sind mehrfach gescheitert.
Hast du es verstanden?
Was ist eine Todesspirale in diesem Zusammenhang?
Die Stützung erfolgt durch Ausgabe eines zweiten Tokens, dessen Preis dadurch fällt, was noch mehr Ausgabe erfordert.
Woher stammte die hohe Verzinsung?
Überwiegend aus einer bereitgestellten Reserve, also aus einer Subvention der Nachfrage.
Welche Stablecoin-Arten haben externen Rückhalt?
Besicherte mit hinterlegten Anlagen und überbesicherte mit Kryptosicherheiten. Algorithmische ohne Deckung nicht.
Quellen und Weiterlesen
- Öffentliche Kursdaten und Protokolldokumentation aus dem Mai 2022.
Passt dazu
- ZinseszinsStufe 0
- WährungsrisikoStufe 1
- WirecardFallstudien