Lehman Brothers
Die Insolvenz einer großen US-Investmentbank im September 2008 löste die schwerste Finanzkrise seit Jahrzehnten aus. Ursache war eine Kombination aus hoher Verschuldung, undurchsichtigen Verbriefungen und einer fallenden Anlageklasse.
In den Jahren davor waren in den USA in großem Umfang Immobilienkredite auch an Haushalte mit geringer Bonität vergeben worden. Diese Kredite wurden gebündelt, in Wertpapiere verpackt und weiterverkauft.
Solange die Immobilienpreise stiegen, funktionierte das. Als sie fielen, stiegen die Ausfälle, und niemand wusste mehr genau, welche dieser Papiere wie viel wert waren. Banken misstrauten einander und liehen sich untereinander kein Geld mehr.
Lehman Brothers war hoch verschuldet und hielt große Bestände solcher Papiere. Im September 2008 folgte die Insolvenz. Weil viele Institute untereinander verbunden waren, verbreitete sich die Erschütterung durch das gesamte System.
Die Aktienmärkte fielen weltweit deutlich, in der Spitze um mehr als die Hälfte. Es dauerte Jahre bis zur Erholung. Wer damals ausstieg, verpasste sie. Wer investiert blieb, sah die Verluste über die Jahre wieder aufgeholt.
Der Verstärkungsmechanismus war die Fremdfinanzierung. Bei hohem Verschuldungsgrad genügt ein kleiner Wertverlust der Aktiva, um das Eigenkapital aufzuzehren. Der daraus folgende Zwang zum Abbau von Positionen drückt die Preise weiter und zwingt weitere Marktteilnehmer zu Verkäufen. Es ist derselbe Mechanismus wie bei Liquidationskaskaden, nur auf Ebene des Finanzsystems.
Eine zweite Ursache lag in der Bewertung der verbrieften Produkte. Bonitätseinstufungen beruhten auf Modellen, die eine geringe gemeinsame Ausfallwahrscheinlichkeit regional verteilter Kredite unterstellten. Diese Annahme brach zusammen, als der Preisrückgang landesweit auftrat, womit erneut der Effekt steigender Korrelationen in Stressphasen wirksam wurde.
Für Privatanleger ist der bemerkenswerteste Befund der Verlauf danach. Breite Aktienmärkte erreichten in den Folgejahren neue Höchststände. Der dauerhafte Schaden traf jene, die im Tief verkauften, sowie Halter einzelner betroffener Institute, deren Papiere wertlos wurden. Damit bestätigt der Fall beide Kernaussagen: Marktrisiko wird über die Zeit vergütet, Einzelwertrisiko nicht.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Hohe Verschuldung verwandelt kleine Wertverluste in Zahlungsunfähigkeit.
- Die Annahme unabhängiger Ausfälle brach zusammen, als alles gleichzeitig fiel.
- Der Markt erholte sich, einzelne betroffene Institute nicht.
Hast du es verstanden?
Wie wirkte die Verschuldung als Verstärker?
Bei hohem Verschuldungsgrad zehrt schon ein kleiner Wertverlust das Eigenkapital auf und erzwingt Verkäufe.
Welche Modellannahme brach zusammen?
Die geringe gemeinsame Ausfallwahrscheinlichkeit regional verteilter Kredite.
Wen traf der dauerhafte Schaden?
Wer im Tief verkaufte und wer einzelne betroffene Institute hielt. Der breite Markt erholte sich.
Quellen und Weiterlesen
- Abschlussbericht der US-amerikanischen Untersuchungskommission zur Finanzkrise sowie öffentliche Marktdaten.